Der aktive Handel mit Aktien bietet viele Chancen für Trader. Egal ob man als Trendfolger mittel- bis langfristige Aufwärtstrends reitet, Ausbrüche aus Seitwärtsphasen für Long-Einstiege nutzt oder aber taktische Countertrend-Trades tätigt – die Möglichkeiten sind sehr vielseitig. Wer den Fokus auf ein möglichst stabiles Börseneinkommen legt, braucht allerdings einen anderen Ansatz, der dem Versicherungsgeschäft sehr ähnlich ist: der Optionshandel.
Werden Sie eine Art Versicherungsgesellschaft!
Fangen wir gleich mit dem Perspektivwechsel beim Optionshandel an: Anstatt auf der Käuferseite zu stehen, wechseln wir auf die Verkäuferseite und agieren damit quasi als Versicherungsgesellschaft, die Absicherungen gegen eine entsprechende Prämie anbietet. Ähnlich wie große Versicherungskonzerne auch, sichern wir potenzielle Gefahren nur dann ab, wenn die Wahrscheinlichkeit dafür relativ gering ist und die Prämien langfristig die Schäden überkompensieren. Dass das Ganze funktioniert, lässt sich mathematisch nachweisen, weil die Versicherungspreise in der Regel zu teuer sind.
Die Kernidee bei dieser Anlagestrategie: Wir lassen die Zeit für uns arbeiten! Denn jede Option hat eine festgelegte Laufzeit, die sich für den Käufer der Option in Form eines täglich sinkenden Zeitwerts negativ bemerkbar macht – für uns als Versicherungsgesellschaft ist das natürlich ein Vorteil. Wenn man als Optionsverkäufer Aktien auswählt, die gerade sehr hohe Versicherungsprämien bieten, weil die implizite Volatilität hoch ist, winken attraktive Renditen bei ohnehin hohen Trefferquoten, was den Handel psychologisch deutlich entspannter werden lässt.
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Aber schauen wir uns einfach ein aktuelles Beispiel an, wie man als Trader durch den Verkauf von Optionen attraktive und vor allem relativ beständige Renditen erwirtschaften kann. Der Short Put gilt hierbei als einfachste und bekannteste Strategie für bullishe Marktphasen. Die Vorgehensweise ist einfach: Wir verkaufen einen Put auf eine Aktie, die einen positiven Trend aufweist und damit auf Sicht mehrerer Wochen eine stabile bis steigende Kurstendenz aufweisen sollte. Hierfür wählen wir zudem Werte aus, die bereits eine Korrektur absolviert haben und nunmehr eine überverkaufte Lage aufweisen. Mit dem klassischen Oszillator wie RSI (Relative Strength) lässt sich dies mit einem Wert kleienr 40 einfach und effektiv herausfiltern. Das nachfolgende Beispiel zeigt die Arista Networks-Aktie per 24.11.2025.

Abb. 1) Arista Networks Aktie mit SMA 200 und RSI (Aktienscreener) Quelle: ezzy.io
Haben wir eine attraktive Aktie ausfindig gemacht, geht es im zweiten Schritt an die Auswahl der geeigneten Put-Option, die wir verkaufen möchten. Mit dem Express-Modus des ezzy Screeners geht das im Handumdrehen:

Abb. 2) Arista Networks Aktie mit Short Puts (Express Modus) Quelle: ezzy.io
Wir entscheiden uns für den Put Nr. 3, der eine Laufzeit von 52 Tagen und einen Strike von 105 USD aufweist. Indem wir diesen Put verkaufen, verpflichten wir uns, 100 Arista Network-Aktien für 105 USD bis zum Ende der Laufzeit abzukaufen, sofern der Put-Käufer Gebrauch von seinem Ausübungsrecht macht. Für die Übernahme dieses Risikos erhalten wir eine Prämie von ca. 260 USD für 52 Tage Laufzeit. Klingt nach sehr wenig, aber annualisiert können wir mit diesem Geschäft (bezogen auf den benötigten Kapitalbetrag von 10500 USD) aber eine Rendite von rund 17% p.a. erzielen – und das selbst wenn die Aktie (die aktuell bei rund 122 USD notiert) gar nicht steigt oder sogar leicht fällt.
Aber wie geht es konkret nach dem Verkauf der Put Option weiter? Es gibt zwei Szenarien:
- Verweilt die Aktie oberhalb des Basispreises von 105 USD, macht es für den Optionkäufer keinen Sinn, seinen Put auszuüben. Der Put verfällt also am Ende Laufzeit wertlos und wir haben einen Gewinn von 260 USD erzielt und können unser frei gewordenes Kapital wieder für einen neuen Trade einsetzen. Der Versicherungsnehmer (der Put-Käufer) dagegen hat seine Prämie verloren.
- Fällt die Aktie dagegen unter den Basispreis (auch Strike genannt) von 105 USD und übt der Put-Käufer sein Verkaufsrecht aus, erhalten wir 100 Aktien ins Depot zu einem Kaufkurs von 105 USD – und zwar unabhängig davon, wo diese dann notiert. Dieses Risiko sollte man also stets im Hinterkopf behalten. Andererseits ist eines sicher: schlechter als ein Aktiendirektinvestment fährt man mit dem Shot Put nie, wenn die Aktie fällt – schließlich reduziert sich unser Einstandskurs aufgrund der vereinnahmten Prämie um 2,6 USD pro Aktie.
Die Andienung der Aktien ist aber relativ selten: In der Praxis kaufen die meisten Optionshändler den Put nämlich bei einem Gewinn von 60-70% (bezogen auf die vereinnahme Prämie) zurück, um unnötigen Risiken kurz vor dem Verfall aus dem Weg zu gehen. Sollte der Put aufgrund eines stärkeren Kursrückgangs der Aktie im Verlust notieren, können Trader entweder mittels Stop Loss aussteigen oder aber in einen neuen Short Put rollen, um der Position noch mehr Zeit und Luft zu geben, wodurch viele Trades doch noch in den grünen Bereich manövriert werden können - eine Spezialität, die es nur im Opitonshandel gibt.
Tausende Basiswerte, Strikes und Laufzeiten – der Screener macht die Arbeit
Bedenkt man, wie viele Kombinationen sich beim Optionshandel aus dem Zusammenspiel von Basiswert, Laufzeit und Strike ergeben, wird schnell klar, dass die Einbindung eines Screeners in die Handelsroutine viele Vorteile schafft: Der Screener erhöht nicht nur die Konsistenz und Effizienz des Workflows, sondern reduziert auch die Fehleranfälligkeit unserer Anlageentscheidungen erheblich. Diese Systematik und Genauigkeit tragen maßgeblich dazu bei, den langfristigen Erfolg an der Börse zu gewährleisten und eine solide Grundlage für nachhaltiges Kapitalwachstum zu schaffen. Der entscheidende Vorteil liegt in der vollständig objektiven Anwendung der vorab festgelegten Kriterien, die sowohl technischer als auch fundamentaler Natur sein können. Im Gegensatz dazu besteht bei einer manuellen Suche stets die Gefahr, sich unbewusst von Tipps aus verschiedenen Medien beeinflussen zu lassen oder aber immer nur die eigene Favoritenliste zu analysieren – die Folge: weniger Rendite und viele verpasste Chancen.
Ein weiteres Risiko der manuellen Suche besteht darin, dass Anleger in schwierigen Marktphasen dazu neigen, Aktien auszuwählen, die nicht streng ihren eigentlichen Kriterien entsprechen. Ein Screener hingegen bleibt in solchen Situationen unerbittlich und liefert unter Umständen gar keine Ergebnisse. Dies mag zunächst frustrierend erscheinen, schützt die Anwender jedoch davor, aus Ungeduld oder Frustration minderwertige Aktien in Ihr Portfolio aufzunehmen, was langfristig Rendite kosten dürfte.
Risikohinweis
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